First light

- darauf musste ich mit viel Geduld warten. Das Projekt zögerte sich nicht nur allein durch den allgemeinen großen Aufwand hinaus, es galt natürlich das eine oder andere Problem zu lösen. Und nicht zu vergessen ist da noch meine Familie, die fast eine Vermisstenanzeige aufgegeben hätte, wenn sie mich nicht im Keller beim Basteln vermutet hätten. So wurde aus Ungeduld langsam aber sicher Unmut, der sich dann auch mal lautstark entlud. Als sich schließlich kurzfristig super Wetter angekündigt hatte (diesmal mit Ostwind), wurde 2 Tage lang tief bis in die Nacht geschuftet (gähn) um noch rechtzeitig fertig zu werden. Dann war es endlich so weit. Schon am Spätnachmittag diesen Tages konnte man sehen und es war klar, das wird eine von "diesen perfekten Nächten" auf die wir Hobbyastronomen besonders warten. Und das ausgerechnet zum first light!!
Doch zuerst musste nochmals jede Optik für sich justiert werden. Nachdem dieses eigentlich schon auf der Werkbank geschehen war, stellte sich nach dem Aufbau im Garten heraus, daß sich doch noch etwas verstellt hatte, nachdem sich es die Tuben in den Doppelrohrschellen gemütlich gemacht haben. Also nochmals nachjustiert.
Langsam schritt die Dämmerung voran und die ersten hellen Sterne kamen zum Vorschein -die Dreierkonstellation auch als Sommerdreieck bekannt - Wega in Lyra, Deneb in Cygnus, Altair in Aquila waren schon deutlich zu erkennen.
Die Spannung steigerte sich, als nun noch die einzelnen Optiken aufeinander abgestimmt werden mussten. So nahmen als nächstes die 32 TSWA ihren Platz in den 2"Aufnahmen der Zenitspiegel ein . Also mit dem Peilsucher Wega anvisiert und (?).......zwei Bilder. Das war keine Überraschung, deswegen kamen jetzt die Verstelleinheiten in 3:00 und 7:00 zum Einsatz., erst die eine und dann die andere, bis sich die (beiden) Wegas überdeckten. Hier nahm ich schließlich den Rat auf Herrn Dandrea´s homepage in Anspruch, erst die eine Seite zu defokussieren, um im weiteren Verlauf die Wega des scharfen Bildes in Übereinstimmung mit der Mitte des Fangspiegelschattens im unscharfen Bild zu bringen. Ein guter Grund auf diese Weise die Optiken in Einklang zu bringen ist, daß das Gehirn einem einen Streich spielt indem es die beiden Eindrücke schon zu einem Bild vereinigt bevor eine optimale Übereinstimmung erreicht wurde. Da hier die größten Bedenken im Vorfeld des frohen Schaffens lagen, war ich umso glücklicher, daß ohne großartiges Nachstellen diese Kostruktion ihren Dienst erfüllte.
Nachdem die Wega zum Einstellen der Optiken herhalten musste, bot sich als erstes der Schwenk in die Milchstraße an und zwar gleich ins Sternbild Cygnus. Und was sich mir bei diesem Anblick darstellte war schlicht und ergreifend fantastisch...ein wahrer Diamantenregen oder Sterne wie Sand am Meer. Das Gesichtsfeld erscheint subjektiv wesentlich größer bei beidäugiger Beobachtung (etwa als ob man von einem 65° Oku auf ein Nagler mit 82°umsteigt). Der gesamte Eindruck zeichnet sich duch eine besondere Eindringlichkeit, Stärke, Sicherheit und Feinheit aus. Man erfährt einen entscheidenten Tiefeneindruck.

Auch beim Trennen von Doppelsternen wie z.B. Albireo lässt sich eine wesentlich bessere Wahrnehmung und Sicherheit gegenüber der monokularen Beobachtung feststellen. Diese Konstellation ist nicht gerade ein Prüfstein für dieses System, da auch monokular deutlich zu trennen, jedoch erscheinen die Objekte nicht wie auf ein Blatt schwarzes Papier gemalt, sondern subjektiv räumlicher und wirklichkeitsgetreuer.

Befand ich mich eben noch im Zenit erwischte ich mich wieder bei der horizontnahen Beobachtung von Jupiter. Noch viel zu tief am Horizont und in Blickrichtung der nahegelegen Kleinstadt lies die zu erwartende Luftunruhe trotzdem einen Versuch zu. Und auch hier eine Überraschung. Mono - hätte es sich keiner angetan unter diesen Umständen Jupiter zu beobachten. Vielleicht ist gerade dieses extreme Beobachtungsbeispiel repräsentativ für das vorteilhafte binokulare Sehen. Jeder kann sich vorstellen, daß in diesem Fall man meine eine Fatamorgana zu sehen, aber trotz dem "wabbelnden" Bild war Jupiter mit seinen Monden wie auf einer Perlenkette aufgereiht sicher zu beobachten, selbst die Wolkenbänder waren deutlich und sicher wahrzunehmen und das unter diesen indiskutablen Umständen mit 171 fach. Ein großer Beweis dafür, wie das Gehirn die unterschiedlichen Eindrücke der beiden Augen in Bezug auf die Bildfehler und Seeingturbulenzen verarbeitet und ausgleicht.
Die Standard-Kerzen
Nachdem erst mal einige wahllose Spechtel-Versuche zur Übereinstimmung der Optiken gemacht wurden, ging es dann aber deutlicher zur Sache. Da meine Beobachtungspraxis in den letzten 1 1/2 Jahren praktisch bis auf Null absank, standen nur die Standardkerzen zur Debatte.

M31 - Andromeda Galaxie bildete den Einstieg. Also wieder der Schwenk bis fast in den Zenit. Und was mir da ins Gesichtsfeld segelte, zog mir fast die Latschen unter den Füßen weg. Der deutlich bessere Kontrast der Teleskope machte sich bei diesem Beispiel extrem positiv bemerkbar. In Verbindung mit dem beidäugigen Beobachten hoben sich die Staubbänder der Galaxie vom zentralen Bulk sowie von einem Teil des Helos ab wie nie zuvor. Gekoppelt mit einem subjektiven 3-D Eindruck war dies ein erhabener Anblick. Auch sonst erschien einem der Anblick sehr satt und hell und wundervoll vom einem dunklen Himmelshintergrund abgehoben. Auch die Helos der Satelittengalaxien M32 und M110 hinterliesen einen tollen Eindruck. Zum Einsatz kamen vorerst nur die langbrennweitigen Okulare wie das TSWA 32mm und erstmals das Baader Planetarium Hyperion Okular 24mm 1,25" , von dem ich hingegen weitläufigen eher negativen Meinungen ziemlich begeistert war.

Als nächstes kam der Schwenk in das Sternbild Leier (Lyra)....selbstverständlich zu M57. Auch dieser planetarische Nebel bot einen erstaunlich verbesserten Anblick. Während ich bisher nicht viel Befriedigung bei der Beobachtung solcher Objekte empfand, erstaunte mich jetzt, daß man den Nebel sehr direkt und mit viel besserer Wahrnehmung beobachten konnte. Ich gehe davon aus auch in Zukunft mehr Spaß an der Beobachtung planetarischer Nebel zu haben. Bisher habe ich beim Beobachten immer das Gefühl gehabt, als wenn ich vergleichsweise, mit einer Augenklappe Auto fahren würde und nur die Hälfte wahrnehme.

M51 - die Whirlpool-Galaxie im Sternbild Jagdhunde war der nächste Prüfstein. Auch dieses Objekt hatte in dieser Nacht nicht gerade eine optimale Position zum Beobachten. Und trotdem wollte ich es darauf ankommen lassen wie das binokulare System darauf reagiert. Relativ tief am Westhorizont gelegen suchte ich diese Galaxie auf. Und ich wurde nicht enttäuscht. Da ich davon ausging ,sehr sehr wenig zu sehen war die Überraschung umso größer. Zwar war die Spiralstruktur nur schwach zu erkennen aber sicher, das war mehr als ich erwartet habe unter diesen Umständen. Der Rest jedoch erschien mir sehr hell und satt. Nicht auszudenken wie mir diese Galaxie bei optimalen Bedingungen erscheinen wird.

Danach positionierte ich die Zwillingsflack auf Hercules.... M13 war mein Ziel! Ein genialer Diamantenregen dieser Kugelsternhaufen!!! Das Tubustuning machte sich auch bei diesem Objekt trastisch positiv bemerkbar. In Verbindung mit dem binokularen Sehen steigerte sich der Anblick zu einem wunderbaren Beobachtungserlebnis. Der Haufen lies sich hervorragend auflösen. Vorallem der Anblick durchs Baader Planetarium Hyperion Okular 13mm 1,25" war dermaßen atemberaubend, daß ich mich kaum losreisen konnte.
Ein weiteres Highlight waren die Plejaden (Siebengestirn). Nachdem ich mono im Galaxy-Dobson nie das Glück hatte die Nebelschleier um Merope zu sehen (entweder hatte ich nie die entsprechend optimalen Beobachtungsbedingungen oder ich hatte Zweifel an der Leistung des Teleskopes), war ich sehr überrascht was ich dann zu sehen bekam. Ähnlich dem Foto konnte ich bei mehreren Sternen die Nebelschleier sichten und das sehr deutlich. Auch hier ist anzunehmen, daß das Tubustuning in Bezug auf den Kontrast sehr viel gebracht hat. Die Nebel waren auch mono leicht zu erkennen. Diese Überraschung lies mich erst vermuten , daß meine Okulare beschlagen waren. Das artete in hektischen Wechsel der Okulare aus, doch die Nebelschleier blieben. Was für eine Erfolg!
Weitere Erfahrungs-Berichte folgen und das 16"Dobson-Bino ist auch schon in Planung!!